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Über Individualität bei Mill am Beispiel von Transsexualität

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lich das nennt, was ungewöhnlich ist, und dass alles, was hergebrachte Gewohnheit ist, auch natürlich erscheint» (Mill 1991: 24, Hervorhebung im Original). Die Gewohnheit kann jedoch auch überwunden werden und sich ändern:  Früher  war es ungewöhnlich,  dass Frauen Hosen anziehen, heute  gilt es als normal. Und die Forderungen Mills nach der rechtlichen Gleichstellung der Frau in «Die Hörigkeit der Frau» gel- ten heute als selbstverständlich, so dass wir uns fast nicht mehr vorstellen können, dass Mill vor 130 Jah- ren nur Unverständnis erntete4. Für Mill ist klar, dass in einer modernen Gesellschaft das Prinzip der Frei- heit Vorrang haben muss vor der Tradition: Was ist der Charakter der modernen Welt – der hauptsächlichste Unterschied zwischen mo- dernen Institutionen, modernen sozialen Ideen, modernem Leben und dem längst vergange- ner Zeiten? Die Überzeugung, dass Menschen nicht für einen vorbestimmten Platz im Le- ben  geboren  und  an  die  Stelle,  wohin  sie  die  Geburt  gewiesen,  unwiderruflich  gefesselt sind, sondern die Freiheit haben, ihre Fähigkeiten anzuwenden und jede sich darbietende Gelegenheit  benutzen,  um  diejenige  Lebensstellung  zu  erlangen,  welche  ihnen  die  wün- schenswerteste scheint. (Mill 1991: 30f) Müsste Mill konsequenterweise nicht auch die Freiheit bejahen, wenn Menschen die Gelegenheit benut- zen, um dasjenige Geschlecht zu erlangen, welches ihnen das wünschenswertere scheint? Mill äussert sich meines Wissens nicht zu dieser Frage. Das kann daran liegen, dass zu seiner Zeit, in der die Sexual- moral vom strengen viktorianischen Geist beherrscht war, sich nur sehr wenige Transsexuelle getrauten, zu ihren Gefühlen zu stehen, und diejenigen, die es trotzdem taten, für verrückt gehalten und aus der Gesellschaft  ausgeschlossen  wurden.  Mill:  «Dass  so  wenige  wagen,  exzentrisch  zu  sein,  enthüllt  die hauptsächliche Gefahr unserer Zeit» (Mill 1974: 93). Mill wäre vermutlich erstaunt über die Möglichkeit ei- nes Geschlechtswechsels und überrascht, dass es Menschen gibt, die das wollen. Ob er nach reiflicher Überlegung zum Schluss käme, dass Menschen die Freiheit haben sollten, ihr Geschlecht selbst zu wäh- len, oder ob er vom eigenen Mut erschreckt zurückkrebsen würde, kann ich nicht beantworten. Einen  weiteren  Einwand  kann  ich  nicht  unberücksichtigt  lassen:  Der  Wille  einer  Person kann sich ja ändern, auch bei einer Entscheidung, die nur sie selbst betrifft. Soll ein Mensch z.B. die Frei- heit haben, sich selbst zu versklaven?  Oder ist es in einem solchen Fall nicht angebracht, die Person vor sich selbst zu schützen? – Ja, meint Mill, denn: Die Ursache der Nichteinmischung in das Handeln eines Menschen [...] ist die Achtung vor seiner Freiheit.  [...]  Verkauft er sich aber als Sklave, so entsagt er seiner Freiheit und  ver- zichtet damit auf allen künftigen Gebrauch ausser diesem letzten. [...] Das Prinzip der Frei- heit kann nicht fordern, dass er die Freiheit haben sollte, nicht frei zu sein. (Mill 1974: 141) Kann etwas Analoges wie zur Selbstversklavung auch zur «Selbstkastration» gesagt werden? Schliesslich hat eine geschlechtsangleichende Operation (unter anderem) genau jenes Ziel und bereits eine Hormon- behandlung hat nach kurzer Zeit nicht mehr rückgängig machbare Folgen. – Es gibt durchaus Parallelen, auch  wenn  eine  Selbstkastration  nur  einen  Teilbereich  der  menschlichen  Freiheit  verunmöglicht.  Der entscheidende  Unterschied  ist  aber,  dass  Transsexuelle  die  Sexualität  in  ihrem  Geburtsgeschlecht  viel eher als Last denn als Lust empfinden und daher gerne bereit sind, auf einen Teil der Freiheiten zu ver- zichten, wenn diese Massnahme ihnen dafür andere, neue Freiräume eröffnet. Dennoch, der Wille der geschlechtswechselwilligen Person könnte ja nochmals kippen. Das ist tatsächlich nicht ausgeschlossen,   wenn auch relativ selten. Zu den Vorsichtsmassnahmen  gehört  eine gute Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen sowie ein Alltagstest, in der  das tägliche  Leben in der  anderen  Geschlechterrolle  er- probt  werden  kann.  Unter  Berücksichtigung  dieser  Bedingungen  sollte  meiner  Meinung  nach  die  Ent- scheidung zu einem solch schwerwiegenden Schritt der betroffenen Person überlassen werden und nicht einem so genannten Spezialisten. Sowohl die eine, wie der andere können sich irren. – Und wer möchte im Falle eines Irrtums nicht lieber selbst Schuld sein? 4 Das, obwohl die Schweiz auch erst seit gut 30 Jahren als eine echte Demokratie bezeichnet werden kann (Frauenstimmrecht). Esther Brunner: Über Individualität bei Mill am Beispiel von Transsexualität Seite 8
  
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von Mark Emme
Siehe auch:
Onanieren für Profis. Der Ratgeber für Männer, von dem die Welt spricht
von Arne Hoffmann
Kerle Kompakt 05: Sportlerheim, 1 Audio-CD
von Roman Markus
Kerle Kompakt 04: Süß und verführerisch, 1 Audio-CD
von Roman Markus
Im Internat der Lust. CD. . Kerle Kompakt 02 (Kerle Kompakt)
von Roman Markus
 
    
     
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