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Über Individualität bei Mill am Beispiel von Transsexualität

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kreativen Ausdruck für ihre verzweifelten Gefühle suchen oder sich kompensatorisch in Arbeit fliehen, ist vielleicht  grösser,  wenn  man  ihren  Leidensdruck  nicht  mildert.  Allenfalls  könnten  Transsexuelle  als «exotisches Sexobjekt»  oder als «Belustigungsobjekt in Talkshows» dienen.  Doch das wäre höchst zy- nisch und schiesst an der Behauptung Mills vorbei: er behauptet nicht, dass Freiheit für eine bestimmte Gruppe von Menschen zum Fortschritt der ganzen Menschheit beiträgt, sondern lediglich, dass sich die Menschheit besser entwickeln kann, wenn alle möglichst frei sind, als wenn alle unfrei sind. Das mag zu- treffen oder auch nicht. Ich befürchte, dass Freiheit (im Sinne von Abwesenheit von Zwang) alleine noch kein  Garant  für  Fortschritt  ist.  Und  überhaupt  gehen  die  Meinungen  darüber,  was  Fortschritt  sei,  weit auseinander. Bleibt noch zu prüfen, ob die Begründung, dass «persönliche Selbstbestimmung [...] etwas innerlich Wertvolles oder etwas, das um seiner selbst Willen Beachtung verdient», (Mill 1974: 79) sei, allei- ne schon tragfähig genug ist, um Freiheit zu rechtfertigen. Mill geht nicht ausdrücklich darauf ein, da er voraussetzt, dass  Harmonie  zwischen  den  beiden  Begründungssträngen für  Freiheit  herrscht.  Dennoch deutet die Bemerkung von «Nützlichkeit im weitesten Sinne [...], begründet in den ewigen Interessen der Menschheit als eines sich entwickelnden Wesens» (Mill 1974: 18, Hervorhebung E.B.) darauf hin, dass Freiheit eine unbedingte Voraussetzung für menschenwürdiges Leben sei, ebenso wie folgende Passage: «[...] so wird doch das Sich-Anpassen an Gebräuche rein als solches in ihm keine der Qua- litäten  entwickeln,  welche  die  unterscheidende  Mitgift  menschlicher  Wesen  bilden.  Die menschlichen Fähigkeiten [...] kann man nur dadurch üben, dass man eine Wahl trifft. (Mill 1974: 80f) 2.3 Freiheit wozu? Jetzt,  da  wir  festgestellt  haben,  dass  Freiheit  ein  lohnenswertes  Ziel  sein  kann  und  dass  Transsexuelle Menschen sind, denen die Freiheit nicht a priori verweigert werden kann, interessiert uns natürlich, wie weit diese Freiheit gehen darf. Denn selbstverständlich meint Mill nicht Willkürfreiheit, sondern legitime Freiheit, die ihre Grenze an der Freiheit des anderen findet. Die eigentliche Kernaussage seines Werks «Über die Freiheit» ist, dass «die Menschen […] die Freiheit haben sollten, nach ihrer Meinung zu han- deln, […] solange es auf eigene Kosten und Gefahr geht» (Mill 1974: 77) und dass eine Einschränkung der individuellen  Freiheit  durch  die  Gemeinschaft  nur  gestattet  ist,  um  die  Schädigung  anderer  zu verhin- dern: Dies Prinzip lautet: dass der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumengen befugt ist, der ist: sich selbst zu schützen. Dass der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft rechtmässig ausüben darf, der ist: die Schädigung anderer zu verhüten. (Mill 1974: 16) Damit verneint Mill, dass irgend jemand besser weiss, wie man leben soll, und deshalb befugt ist, ande- ren zu sagen, wie sie zu leben haben. Statt dessen fordert sein Prinzip den grösstmöglichen Respekt vor der anderen Person und deren Willen, bedingt einzig dadurch, dass keine negativen Folgen für andere entstehen. Damit ist für Mill auch klar, wer die Beweislast zu tragen hat: [...] die Beweisführung [wird] von denen erwartet, welche sich als Gegner der Freiheit hin- stellen und irgend einer Einschränkung oder einem Verbot das Wort reden [...]. Es ist a prio- ri die Annahme immer zu Gunsten der Freiheit und Unparteilichkeit. (Mill 1991: 7, Hervorhebung im Original) Dennoch scheint dieses Gesetz der Beweisführung nicht zu gelten, wenn man gegen «die hergebrachte Sitte und das allgemeine Gefühl» antritt, wie Mill in der Einleitung zu «Die Hörigkeit der Frau» feststellt (Mill 1991: 7ff). In Bezug auf Transsexuelle trifft das ebenso zu: dass jemand, der für einen Mann gehalten wird, Frauenkleider anzieht, wird als unnatürlich angesehen. Mill sagt, «dass man unnatürlich gewöhn- Esther Brunner: Über Individualität bei Mill am Beispiel von Transsexualität Seite 7
  
Tantra oder Die Kunst der sexuellen Ekstase. (Taschenbuch)
von Margot Anand,
Karin Petersen
Siehe auch:
Erotische Massage. Mit dem Zauber des Tantra.
von Kenneth Ray Stubbs
Tantra Massage. Die hohe Kunst der erotischen Berührung
von Kalashatra Govinda
Kamasutra. Das Lehrbuch der alten indischen Liebeskunst
Tantra, Spiritualität und Sex
von Osho
 
    
     
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