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Über Individualität bei Mill am Beispiel von Transsexualität

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tiefer in das private Leben eindringt und die Seele selbst versklavt» (Mill 1974: 10). Genau diese Angst vor dem  Für-Verrückt-Gehalten-Werden  führt  dazu,  dass  Transsexuelle sich  anpassen  und  tun,  «was  jeder tut», und ihre Gefühle, mit denen sie allein zu sein scheinen, unterdrücken. Der Ausdruck «versklavte Seele» beschreibt äusserst treffend die Art von Unfreiheit im Bereich der geschlechtsrelevanten Interakti- on, die Transsexuelle vor ihrem Coming-Out erleben. 2.2 Wozu Freiheit? Wie wir gesehen haben, gibt es keinen einleuchtenden Grund einer transsexuellen Person grundsätzlich weniger Freiheit zuzugestehen, als sonst einer Person. Aber warum brauchen wir überhaupt Freiheit? – Mill ist erstens überzeugt, dass die maximalen Freiräume  des einzelnen Menschen der  Menschheit als Ganzes am meisten nützen: Ich  betrachte  Nützlichkeit  als  letzte  Berufungsinstanz  in  allen  ethischen  Fragen,  aber  es muss Nützlichkeit im weitesten Sinne sein, begründet in den ewigen Interessen der Mensch- heit als eines sich entwickelnden Wesens. (Mill 1974: 18) Die  einzige  untrügliche  und  andauernde  Quelle  für  den  Fortschritt  ist  die  Freiheit,  weil durch  sie  eben  so  viel  unabhängige  Zentren  des  Fortschritts  möglich  sind,  als  Individuen vorhanden. (Mill 1974: 97) Ich sagte, es sei wichtig, ungewöhnlichen Dingen einen möglichst freien Spielraum zu ge- währen, damit sich im Laufe der Zeit herausstellt, welche von ihnen sich eignen, Tradition zu werden. (Mill 1974: 93) Zweitens ist für Mill Freiheit auch eine notwendige Voraussetzung für die selbst bestimmte Entfaltung der eigenen  Persönlichkeit  als Ideal des  menschlichen  Lebens. Er zitiert Wilhelm  von Humboldt,  der  sagt, dass «der wahre Zweck des Menschen […] die höchste und harmonischste Entwicklung seiner Kräfte zu einem kompletten und folgerichtigen Ganzen ist» (Mill 1974: 79). Oder mit eigenen Worten: Soll der Anlage eines jeden freies Spiel gewährt werden, dann ist es wesentlich, dass ver- schiedene Personen auch ein verschiedenes Leben führen können. (Mill 1974: 88, Hervorhebung im Original) Mit der Bemerkung, dass Individualität und Entwicklung eins sind, und dass einzig ihre Pfle- ge wohl entwickelte menschliche Wesen hervorbringt oder bringen  kann, könnte ich hier die Beweisführung schliessen; denn was kann mehr oder Besseres von einem Zustand der menschlichen  Angelegenheiten  gesagt  werden,  als  dass  er  Menschen  dem  Ideal  näher bringt? (Mill 1974: 88) Taugt eine dieser beiden oder beide Begründungen der Freiheit auch im speziellen Fall von transsexuel- len Menschen? – Ich stimme zu, dass die Freiheit im  einen oder im anderen Geschlecht zu leben  zur «freien Entwicklung der Persönlichkeit» beiträgt, aber dass Freiheit notwendigerweise «eine Hauptbedin- gung der Wohlfahrt ist» (Mill 1974: 78), wie Mill behauptet, lässt sich bestreiten. Zwar zeigen Studien, dass eine geschlechtsangleichende Operation bei vielen Transsexuellen tatsächlich zu einer Verbesserung des Wohlbefindens führt, aber nicht bei allen3. Noch viel unsicherer wird es, wenn man behauptet, die Frei- heit  von  Transsexuellen  trage  zum  Fortschritt  der  Menschheit  bei.  Von  der  Lebensweise  einer  kleinen Minderheit wie der der Transsexuellen, kann nicht erwartet werden, dass sie für breitere Bevölkerungs- schichten je Tradition wird. Mill bezeichnet Freiheit als «Bedingung» für «Zivilisation, Ausbildung, Erzie- hung, Kultur» (Mill 1974: 79), doch es gibt nicht wenige Leute, die eben diese Werte ernsthaft in Gefahr se- hen, wenn man sogar Transsexuellen Freiheit für ihr «lasterhaftes Auftreten» lässt. Weiter kann nach Mill «das Genie [...] nur frei atmen in einer Atmosphäre von Freiheit» (Mill 1974: 89) und «die Leute finden das Genie ganz schön, wenn es jemanden befähigt, ein reizendes Gedicht zu schreiben oder ein Bild zu ma- len» (Mill 1974: 90). Aber Transsexuelle sind nicht unbedingt genial und die Wahrscheinlichkeit, dass sie 3 Interessanterweise würden sich die Mehrheit der Transsexuellen, deren Situation sich nach der Operation verschlechtert hat, trotz- dem nochmals zu diesen Schritt entscheiden. Das ist doch ein Indiz dafür, dass der Freiheit nicht bloss durch deren Nützlichkeit Wert zugemessen wird. Esther Brunner: Über Individualität bei Mill am Beispiel von Transsexualität Seite 6
  
Die Nummer mit der Nummer. Mein Leben mit der Hotline (Broschiert)
von Nicole Kuhlert
Siehe auch:
Hörende Begegnungen. Vol. 1. Erotische Fantasien
von Nicole Kuhlert
Telefonsex als Dienstleistung - Grundlagen. Erfolg auf der Hotline
von Nicole Kuhlert
McSex. Die schönsten Quickies für alle Lebenslagen
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Männer-Roulette. Ein Leben nach der Prostitution
von Lisa Moos
 
    
     
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